Wie machen Sie das nur? - Interview mit Julia Böhm, Konferenzdolmetscherin

Interview-blog.de: Julia Böhm, Sie sind freiberufliche Konferenzdolmetscherin, das heißt, Sie sind bei Konferenzen tätig, die Sie simultan zwischen Englisch und Deutsch übersetzen. Welche Frage wird Ihnen in Ihrem Beruf am häufigsten gestellt?

Julia Böhm: Da gibt es zwei Fragen. Die eine lautet „Wie machen Sie das nur?“, die andere „Ist Konferenzdolmetscherin so was Ähnliches wie Fremdsprachenkorrespondentin?“. Frage 1 kommt häufig von Leuten, die schon einmal eine Verdolmetschung erlebt haben, Frage 2 von Leuten, die sich unter dem Berufsbild nichts vorstellen können.


Interview-blog.de: Ja, dann erzählen Sie uns doch einmal, wie Sie das machen.

Julia Böhm: Zunächst einmal ist dazu ein Hochschulstudium für Übersetzen und Dolmetschen und einige Jahre Berufserfahrung nötig. Das Wichtigste ist jedoch die inhaltliche Vorbereitung und Einarbeitung in das Thema bei jedem einzelnen Projekt. Häufig verdolmetsche ich technische Themen, z.B. Karosserieentwicklung in der Automobilindustrie. Da muss man sich in Werkstoffkunde, Produktionsverfahren und Fügetechniken fit machen, üblicherweise auf Basis detaillierter Konferenzunterlagen, die man vom Auftraggeber möglichst früh vorab bekommt. Für die Vorbereitung kalkuliert man im Schnitt einen weiteren Tag je Konferenztag. Manchmal auch mehr.
Wichtig ist außerdem, dass man zu zweit oder zu dritt pro Dolmetschkabine arbeitet, weil Simultandolmetschen so unglaublich anstrengend ist. Man wechselt sich ab und unterstützt sich gegenseitig.

Interview-blog.de: Das bedeutet also, Sie wissen wovon Sie reden, wenn Sie dolmetschen?

Julia Böhm: Das ist auch so eine häufig gestellte Frage. Ja, das tue ich. Natürlich könnte ich selbst kein Fahrzeug entwickeln oder auch nur auseinander nehmen und richtig wieder zusammenbauen. Ich vergleiche das „passive Wissen“, das ich mir aneignen muss, ganz gerne mit dem eines Journalisten. Auch er muss viel von Autos verstehen, um über sie schreiben zu können, doch er braucht dazu kein Ingenieur zu sein. Das Wissen in den Fachgebieten eignet man sich über Jahre hinweg an. Das Schöne an dem Beruf ist, dass bei Konferenzen, zum Beispiel Pressekonferenzen, ja gerade immer die neuesten Trends oder neuesten Automodelle vorgestellt werden. Das heißt, man bekommt alles gleich von Anfang an mit, ist immer auf dem Laufenden.

Interview-blog.de: Was lieben Sie noch an ihrem Beruf?

Julia Böhm: Die Abwechslung zwischen den Themen ist spannend, dass man fast jeden Tag mit neuen Kunden zu tun hat, das Reisen, wenn Konferenzen an schönen Orten stattfinden, die Arbeit in ständig neuen Kollegenteams. Dann genieße ich aber auch wiederum die langjährige Zusammenarbeit mit Stammkunden oder Kollegen, die man schon lange kennt. Also sozusagen die Abwechslung zwischen Abwechslung und Kontinuität.

Interview-blog.de: Wo kann man mehr über Sie und Ihren Beruf erfahren?

Julia Böhm: Mehr Infos zum Konferenzdolmetschen gibt es z.B. beim Berufsverband www.vkd.bdue.de.